Waldesgrün

 

Baumbeschnitt-Schulung am 28.02.2026

 

 

Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,

 

wer mindestens einen Obstbaum in seinem Garten hat, denkt beizeiten sicher an Beschnitt. Aber warum und wozu macht man das überhaupt? Welche Grundregeln sollten beachtet werden? Und wann, wo, wie und womit wird am besten geschnitten?

 

Nun, die Antworten wissen jetzt ein paar Waldesgrüner mehr. Denn die haben jüngst eine Schulung von unserem Baumsteiger Hans A. Siekmann erlebt.

 

Dank der gut vorbereiteten Einladungen und Erinnerungen von Klaus Sautter aus unserem Vorstand hatte es erfreulich viele Anmeldungen zu dieser immerhin ersten vereinsinternen Schulung seit langem gegeben. Und so füllte sich am Samstag, 28.02.2026, gegen 10 Uhr, der vordere Gastraum unseres Vereinsheims, wo mit Beamer und Leinwand, Getränken und Kuchenhäppchen schon alles bestens vorbereitet war.

 

 

Hans reichte vorbedruckte Schulungsbögen zum Ausfüllen herum und vermittelte in seinem Vortrag dann mit Fotos und Abbildungen, hilfreichen Gesten und praktischen Schnittbeispielen an kleinen Ästchen sehr anschaulich alle wichtigen Momente der Obstbaumpflege.

 

 

Ausgehend vom Pflanzenbild mit seinem Gleichklang aus unterirdischen Wurzeln und dem oberirdischen Stamm mit Geäst erläuterte er zunächst die Bewegung der Pflanzensäfte und das Wachstum zum Licht. Weil Obstbäume als Kulturpflanzen auf möglichst gute Ernten gedacht sind, sollte durch regelmäßigen Beschnitt eine jeweils zweckmäßige Form gefunden werden. Ein Gleichgewicht von Wachstum und Ertrag machen die Bäume nicht von selbst. Stattdessen führt das Wachstumsstreben zum Licht zu sich kreuzenden und brechenden Ästen, zu um Sonne konkurrierendes Blattwerk zu Lasten der Früchte und zu senkrechten Ästen, die mit dem Leitstamm rivalisieren. Hier gilt es anzusetzen und mit Auslichtung, Lenkung und Gleichgewicht zu arbeiten.

 

Vor dem Beschnitt stehen die Betrachtung der vorhandenen Baumform und die Entwicklung einer Vorstellung von der zukünftigen. Ein- und zweijähriges Holz sowie die Blüten- und Fruchtbildung beim Bestand sollte man erkennen. Die imaginierte Baumform ist entsprechend so individuell wie der einzelne Baum (es gibt keine einheitlich zu erzwingende Norm). Die Überführung durch Beschnitt ist dann ein über Jahre dauernder Prozess mit regelmäßigem Betrachten und höchstens zweimaligem Eingreifen pro Jahr.

 

Der Winterschnitt (Januar bis März) regt den Baum eher zum Wachstum an. Der ergänzende Sommerschnitt beruhigt und bremst, da durch Entfernen von Blattmasse weniger Nährstoffe über den Winter eingelagert werden. Oktober bis Dezember und die Blütezeit sollten ausgespart werden.

 

 

Jeder Schnitt kann und soll das Wachstum gezielt fördern. Es gilt dabei aber schwere Fehler zu vermeiden, die Wachstumsgesetze anzuwenden und Schnittregeln einzuhalten.

 

Wer in Summe über 20% an Blatt-/Geästmasse auf ein Mal schneidet, wer dicke Äste stumpft kappt und falsche Schnitttechniken verwendet hat schon mal drei schwere Fehler begangen. So also nicht.

 

Das Wachstum zum Licht wird mit drei praktischen Ansätzen begleitet: Spitzenförderung, Oberseitenförderung und Scheitelpunktförderung. Hier geht es also darum, wo man schneidet, um das zukünftige Wachstum zu leiten.

 

Was genau zu korrigieren ist – sich kreuzende, reibende, parallel verlaufende, nach innen wachsende, stark hängende und senkrecht wachsende Äste – hängt vom Einzelfall ab. Das beste Fruchtholz ist waagrecht. Das kann neben dem Beschnitt durch Abspreizgewichte, -stützen und -bindungen erreicht werden. Auch das Eigengewicht der hängenden Früchte spielt hier mit.

 

Dabei kann und sollte man auch die Saftwaage und damit das Wachstumsbestreben des Baumes um Ausgleich benachbarter Äste bei Betrachtung und Beschnitt mit einbeziehen.

 

 

Mit den Regeln der richtigen Schnitttechnik versucht man, dem Baum möglichst wenig zu schaden und mit dem Saftstrom und Lichtstreben zu harmonieren. Es geht hier also um das Wie. Regel 1: Schneide auf Astring und lasse keine Stummel stehen. Regel 2: Schneide beim Einkürzen auf Ableitung des Saftstroms in einen dünneren, aber nicht zu dünnen Ast. Regel 3: Schneide zum Vermeiden von Ab- bzw. Ausrissen eines schweren Astes beim Fallen zunächst auf Entlastung von oben und unten im Versatz vor dem zweiten finalen Schnitt auf Astring.

 

  

Für den Beschnitt ist sauberes, desinfiziertes Schneide- und Sägewerkzeug nötig. Ein Verschluss der Schnittfläche durch angebotene Produkte schadet dem Baum eher als das es nützt.

 

Überaus nützlich waren auch Hans Antworten auf die mitgebrachten und beim Vortrag aufgekommenen Fragen der anwesenden Gärtnerinnen und Gärtner. Alle wurden dabeimitgenommen und das später auch ganz praktisch im zweiten Teil der Schulung. Denn hier ging es mit Leitern und Werkzeug in den Obsthain von Hartmann im Dahlienweg, wo Hans uns dann tatkräftig seine Vorgehensweisen beim Beschnitt an gleich mehreren Bäumen demonstrierte. Alle konnten gedanklich dem ausgesprochenen Entscheidungsprozess vor einem jeden Schnitt folgen. Gerne ging dann ein lustiges Nicken durch die Runde, wenn man zu exakt demselben Ergebnis wie der erfolgte Schnitt gekommen war.

 

 

 

Ein großes Dankeschön an Hans für die überaus gelungene Schulung auch an dieser Stelle!

 

Vielleicht gibt es bald ja noch weitere gärtnerische Veranstaltungsangebote in unserem Verein.

  

Eure Julia

 

P.S.: Für alle Schulungsteilnehmer/-innen gab's im Nachgang noch hilfreiche Links und ein fünfseitiges Handout von Hans, mit dem ergänzend zum Vortrag noch einmal alles textlich ausgearbeitet vorliegt. Auch das äußerst hilfreich und gelungen. Besten Dank